Hormonelle Hochleistungsphase
Schwangerschaft bedeutet für den weiblichen Körper eine hormonelle Ausnahmesituation. Davon ist auch die Schilddrüse betroffen. Das Schwangerschaftshormon HCG stimuliert die Schilddrüse ähnlich wie TSH und kann dazu führen, dass sie in den ersten Wochen mehr Hormone produziert. Gleichzeitig steigen die Hormonspeicherproteine im Blut an, was die Messung von Schilddrüsenwerten in der Labordiagnostik beeinflusst.
Warum ist die Schilddrüse in der Schwangerschaft so wichtig?
Schilddrüsenhormone sind für die normale Entwicklung des ungeborenen Kindes unverzichtbar. Besonders in den ersten zwölf Wochen, bevor die eigene Schilddrüse des Kindes funktionsfähig ist, ist das Kind vollständig auf die Hormone der Mutter angewiesen. Diese Hormone sind entscheidend für:
- die Gehirn- und Nervensystementwicklung des Kindes
- das normale Körperwachstum
- die Reifung der Organe
Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft kann das Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten und Entwicklungsverzögerungen beim Kind erhöhen.
Erhöhter Jodbedarf in der Schwangerschaft
Da die Schilddrüse in der Schwangerschaft mehr Hormone produzieren muss, steigt der Jodbedarf deutlich an. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt schwangeren Frauen eine tägliche Jodzufuhr von 230 Mikrogramm. Da dieser Bedarf allein durch die Ernährung oft schwer zu decken ist, empfehlen viele Fachgesellschaften die zusätzliche Einnahme von Jodpräparaten nach ärztlicher Rücksprache.
Wichtig: Frauen mit einer bekannten Schilddrüsenerkrankung, insbesondere Hashimoto-Thyreoiditis, sollten vor der Einnahme von Jodpräparaten unbedingt ihren Arzt befragen.
Schilddrüsenerkrankungen und Schwangerschaft
Frauen mit einer vorbekannten Schilddrüsenerkrankung benötigen in der Schwangerschaft eine engmaschigere ärztliche Begleitung. Der Hormonbedarf verändert sich im Laufe der Schwangerschaft, sodass die Therapie gegebenenfalls angepasst werden muss. Regelmäßige Blutkontrollen sind daher empfehlenswert.
Darüber hinaus kann eine Hashimoto-Thyreoiditis erstmals nach einer Schwangerschaft in Erscheinung treten, da sich das Immunsystem nach der Entbindung wieder neu justiert. Diese sogenannte postpartale Thyreoiditis äußert sich in den ersten Wochen oder Monaten nach der Geburt und klingt häufig von selbst ab, kann aber auch in eine dauerhafte Unterfunktion übergehen.
Screening als wichtige Maßnahme
Ob ein generelles Schilddrüsenscreening für alle Schwangeren eingeführt werden soll, wird in Fachkreisen diskutiert. In Deutschland wird derzeit zumindest Frauen mit Risikofaktoren eine Bestimmung des TSH-Wertes zu Beginn der Schwangerschaft empfohlen. Frauen, die Fragen zu ihrer Schilddrüsengesundheit in der Schwangerschaft haben, sollten dies aktiv mit ihrem Frauenarzt ansprechen.
